Werfen wir einen genaueren Blick auf eine wichtige Etappe im Vorstellungsgespräch: die Ausbildung und den beruflichen Werdegang des Bewerbers.

Vor Beginn dieser Phase des Gesprächs muss für den richtigen Rahmen gesorgt werden, indem Sie dem Bewerber die Gründe dafür darlegen, dass Sie seinen Lebenslauf ausgewählt haben.

Je nach Bewerberprofil und bisheriger Berufserfahrung werden Sie näher auf das Studium oder auf den beruflichen Werdegang eingehen.

Ausbildung und Studium

Es werden drei Ziele verfolgt:

  1. Motivation und Kohärenz bei der Auswahl der Ausbildung bzw. des Studiums verstehen
  2. Bilanz über die Ausbildung ziehen
  3. Besser nachvollziehen, wie der Bewerber seine erworbenen Kenntnisse im Berufsleben einsetzen wird oder bisher eingesetzt hat

Bewertung der Ausbildung

Beispiele für Fragen an den Bewerber:

Zur Erstausbildung

  • Welche Fächer haben Ihnen am besten gefallen? Welche am wenigsten? • Wie haben Sie im Allgemeinen abgeschnitten? • In welchen Fächern waren Sie am besten? Welche fielen Ihnen am schwersten?
  • Inwieweit hat Sie Ihr Studium auf das Berufsleben vorbereitet (bzw. auf die Stellen, die Sie bisher innehatten)?
  • Waren bestimmte Fächer oder Kurse besonders hilfreich?

Zur Weiterbildung

  • Hatten Sie nach Abschluss Ihres Studiums Gelegenheit, Weiterbildungen zu absolvieren, die Ihnen besonders nützlich waren? Was war dabei das Ziel?
  • Was haben Sie in Ihrer/Ihren Weiterbildung(en) Wichtiges dazugelernt?
  • Welche Auswirkungen hatten die Weiterbildungen auf Ihre jeweils ausgeübten Stellen?

Darauf sollten Sie achten

Mit den Fragen zu Studium und Ausbildung informieren Sie sich über erworbene Kenntnisse und deren Nutzen für die gewünschte Stelle, über die Fächerwahl, Motivation des Bewerbers und seine Bilanz zur eigenen Ausbildung.

Im Vergleich zu den oftmals entscheidenderen Fragen zu beruflichen Erfahrungen sollte der Abschnitt Ausbildung und Studium weniger Platz und Bedeutung einnehmen.

Selbstverständlich gilt dies nicht für Bewerber, die sich für ihre erste Stelle bewerben und noch keine Berufserfahrung haben. Die Fragen sollten sowohl auf Tatsachen, Ergebnisse und die Haltung zur eigenen Ausbildung abzielen.

Beruflicher Werdegang

Es werden drei Ziele verfolgt:

  1. Bisherige Erfahrungen bewerten
  2. Überprüfen, ob der Bewerber über praktische Erfahrung in der angestrebten Position verfügt
  3. Kernkompetenzen und Eignung für den Zuständigkeitsbereich abschätzen

Ziel ist es, sicherzustellen, dass der bisherige Werdegang zur zu besetzenden Stelle passt.

Bewertung des beruflichen Werdegangs

Wichtige Tipps

Die Fragen zum beruflichen Werdegang müssen über eine einfache Beschreibung der bisherigen Stellen hinausgehen. Sie müssen in der Lage sein, eine Bilanz über die Erfahrungen im Hinblick auf die logischen Zusammenhänge in der Karriere, Erreichtes, Motivation, Erfolge und Schwierigkeiten zu ziehen. Es empfiehlt sich, eine chronologische Reihenfolge einzuhalten und sich auf die aktuellsten bzw. relevantesten Erfahrungen zu konzentrieren. Beginnen Sie mit der aktuellen oder zuletzt ausgefüllten Stelle. Anschließend können Sie mit früheren Erfahrungen fortfahren. Wenn der Bewerber über eine zu vielfältige Laufbahn verfügt, stellen Sie die letzte Stelle in den Mittelpunkt und befragen Sie ihn außerdem zu seinen ersten beruflichen Erfahrungen.

Beispiele für Fragen an den Bewerber:

Zu logischen Aspekten

  • Was waren die Logik und Gründe hinter Ihrem beruflichen Werdegang? • In welche großen Etappen lässt sich Ihre bisherige Karriere einteilen?

Zu Erreichtem

  • Was sind derzeit Ihre wichtigsten Aufgaben und Verantwortungsbereiche? • Was waren Ihre drei wichtigsten Verantwortungsbereiche auf dieser Stelle?

Zu Motivation, Erfolgen und Schwierigkeiten

  • Womit waren Sie bei dieser/n Stelle(n) besonders zufrieden? Womit am wenigsten?
  • Auf welcher Ihrer bisherigen Stellen haben Sie sich am produktivsten gefühlt? Auf welcher am wenigsten produktiv?
  • Worauf sind Sie am meisten stolz? Warum?
  • Jeder von uns hat beruflich schon schwierigere Zeiten durchgemacht. Wann war das bei Ihnen der Fall? Welche Lösungen konnten Sie für die Situation finden?
  • Über welche Fähigkeiten verfügen Sie, die Sie auf dieser Stelle nicht einsetzen könnten?

Zur Arbeitsumgebung

  • Was gefällt Ihnen an Ihrem aktuellen Unternehmen am besten? Was am wenigsten?
  • Welche Arbeitsumgebung hat Ihnen am besten gefallen? Welche am wenigsten?
  • Wie war das Verhältnis zu Ihren Vorgesetzten? Und zu Ihren Kollegen?

Zu Verantwortungsbereichen und Ergebnissen

  • Wurden Ihnen Ziele vorgegeben, und wenn ja welche? Konnten Sie diese Ziele verwirklichen?
  • Welche Maßnahmen wurden umgesetzt, um die Ziele zu erreichen?
  • Woran haben Sie am härtesten gearbeitet, um Ihre Ziele zu erreichen?
  • Welche Ziele waren für Sie am schwierigsten umzusetzen?
  • Wie empfinden Sie die Verpflichtung zum Erreichen bestimmter Ziele?

Zu Energie und Engagement

  • Wie empfanden Sie die jeweilige Arbeitsbelastung auf Ihren unterschiedlichen Stellen?
  • Was macht Sie zuversichtlich, auf dieser Stelle erfolgreich zu sein?

Zur Karrierebilanz

  • Wie sieht es aktuell mit Ihrer Karriere aus?
  • Welche Phase oder welches Ereignis in Ihrer Karriere hat Sie am meisten geprägt? Warum?
  • Was würden Sie an Ihrem derzeitigen Unternehmen ändern, wenn Sie könnten?

Tipps

Stellen Sie jeweils nur eine Frage auf einmal, fangen Sie mit positiven Elementen an, bevor Sie zu Negativem kommen. Wählen Sie möglichst offene, neutrale Fragen. Formulieren Sie die Fragen auf verschiedene Weisen, um sicherzugehen, dass sie verstanden werden. Fragen Sie gegebenenfalls nach, um zusätzliche konkrete Informationen einzuholen.

Darauf sollten Sie achten

Die berufliche Laufbahn gibt Auskunft darüber, wie sich der Bewerber im Laufe seiner Karriere entwickelt hat und was bei seinen bisherigen Stellen die konkreten Aufgaben waren.

Mit den Fragen zum beruflichen Werdegang können Sie überprüfen, inwieweit das Bewerberprofil zur Stelle passt und sich die Erwartungen von Unternehmen und Bewerber überschneiden.

Die chronologische Abfolge der Laufbahn beginnt mit den aktuellsten und relevantesten Erfahrungen für die angestrebte Stelle. Der Recruiter analysiert den beruflichen Werdegang des Bewerbers im Hinblick auf logische Zusammenhänge, Erreichtes, Erfolge und Schwierigkeiten oder gar Misserfolge. Der Bewerber muss die Möglichkeit bekommen.

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